Gewurzelt

In der Bibel wird im Propheten Hesekiel 17, 7 ein Weinstock beschrieben, der seine Wurzeln nicht mehr in die Erde steckt, um von dort Wasser zu bekommen, sondern in die Höhe, um von einem mächtigen Adler Kraft zu erhalten. Uns allen ist klar, was passiert, wenn die Wurzeln nicht mehr in der Erde ankern. Ein Baum, der seine Wurzeln in die Höhe streckt, wird auf Dauer sterben. Er kann nur überleben, wenn er die Kraft aus den Tiefen oder Wasserläufen holt, wo Wasser sich angesammelt hat. Dies gilt auch für uns: wir werden unsere Kraft nicht von außen bekommen, sondern werden aus der Tiefe versorgt:

Tief gegründet in der Erde
So steht er fest ohne Beschwerde.
Seit Jahren oder gar Jahrzehnten
Sehr viele sich schon an ihn lehnten.
Die Wurzeln geben ihm die Kraft, 
das, was sonst niemand schafft.
Doch käm' sein Ende schnell herbei,
Streckt er sie hoch wie ein Geweih.
Die Wurzel tief bringt Lebenssaft. 
Sie gibt auch uns die Energie und Kraft,
Für unser täglich Leben,
viel mehr als alles eign'ne Streben.
So wie der Baum steht fest und stark, 
Sei du auch ganz in dir autark,
Such keine Kraft im Menschenworte,
Sonst bleibst du leer an deinem Orte.

© Katharina Kopp

Die Wurzel tief bringt Lebenssaft.

Wer mehr über Bäume und Wurzeln lesen möchtet, findet hier Anregung: https://www.erf.de/themen/glaube/baeume-in-der-bibel/2803-542-6393

Gesehen

Hörst du noch – oder siehst du schon?

Angeregt durch Ausführungen zu Hiob im Januar bis April 2021 entstanden einige Gedanken in Haiku-Form*. Die Geschichte Hiobs hat gewisse Parallelen mit dem, was im Leben so vor sich geht. So ist dieser Text Hiob nachempfunden, spricht mir aber persönlich aus dem Herzen – dir vielleicht auch?

Hab so viel gehört, 
Von dir, dem Weltenschöpfer.
Doch nix verstanden.
Geklagt, gejammert, 
Verzweifelt nach dir gesucht.
Hörst du mich, mein Gott?
Du fragtest Vieles, 
Doch ich weiß keine Antwort
Auf deine Fragen.
Begreif' es langsam: 
Hörensagen reicht nicht aus.
Mein Verstand zu klein.
Staunend bleib' ich steh'n, 
Deine Wunder anzuseh'n.
Großes wirkst nur du!
Größer als alles, 
Unendliche Weite bist du,
Der alles erdenkt.
Wer gleicht dir jemals? 
Ursprung, Anfang und Ende,
Wer kann's ergründen?
Klein bin ich vor dir, 
Weich wie Ton in deiner Hand,
So harre ich aus.
Weglaufen geht nicht, 
Denn auch dort wartest du schon!
Kein Weg führt vorbei.
Die Enden der Welt, 
Gesehen hab' ich sie längst.
Alles ruht in dir!
Der Ozean brodelt, 
Wenn der Ewige befiehlt,
Den Tiefen des Meers.
Du redest ein Wort, 
Alles entsteht wunderschön,
Fassen kann ich's nicht.
Nichts ist dir zu schwer, 
Was du dir vornimmst, geschieht.
Mein Kopf ist zu klein.
Verstehen geht nicht, 
Hörensagen reicht nicht aus,
Viel zu groß bist du.
Sehen werd ich dich, 
Ergründe deine Tiefe.
Antwort bist nur du!
Satt kann ich werden, 
Beim Anschau'n deines Bildes,
Wenn ich erwache.

* Haiku ist eine japanische Gedichtform, die von der Reduktion lebt. Das Reinschema besteht aus 1. Zeile: 5 Silben, 2. Silbe: 7 Zeilen, 3. Zeile: 5 Silben. Da die deutsche Sprache eine andere Struktur hat als die japanische, sind manche Sätze grammatikalisch nicht korrekt. Aber das Wesentliche kann in wenigen Worten ausgedrückt werden. Man kann auch längere Texte so schreiben, indem mehrere Haiku aneinandergereiht werden. Auch können einzelne Haiku aus dem Gedicht einzeln gelesen oder anders kombiniert werden.

(c) Katharina Kopp

Hör genau hin!

So viele Stimmen, 
Schreien, tönen, klingen laut,
Hör in dich hinein!
Horch um dich herum! 
All das Laute, Quälende,
Hör auf das Leise!
Hör genauer hin! 
Sanft sind die Zwischentöne,
Vernimm diese Stimm!
Hörendes Beten, 
Ist das nicht so wunderbar?
Hör auf seinen Gruß!
Vater, du bist wahr! 
Bringst zur Ruhe das Geschrei,

Auf deine Weise.


Leise!

(c) Katharina Kopp

Neues Leben

Einige Haikus zum Frühling:

Winter ist vorbei, 
Neues Leben bricht jetzt durch.
Schau, ein Mandelzweig!
Hüpfend im Garten 
Sammelt fleißig Material
Amselnest im Bau.
Blütenkonfetti 
wirbeln munter, bunt, lustig,
schneien zu Boden.
Schleichend rinnt die Zeit 
Niemand weiß, was morgen wird
Hoffnung stirbt zuletzt.
Alles wieder gut 
Dunkle Finsternis regiert
Dahinter ein Schein.

(c) Katharina Kopp

GROß oder klein

Der Blick auf diese Steinsäulen wirft einige Fragen auf, die mich ins Nachdenken bringen. Diese unterschiedlich hohen Säulen sind nur wertvoll durch ihre Verschiedenartigkeit. Keine wäre etwas ohne die anderen. Ist das mit uns Menschen nicht genauso? Warum schauen wir auf uns selbst oder andere herab?

GROß oder klein, 
Mit oder ohne Schein? 
# Was sagt dein Spiegel über dich?
REICH oder arm,
Viel oder wenig Charme? 
# Was sagt dein Nachbar über dich?
Geliebt oder gehasst, 
gehetzt oder auf Rast? 
# Was sagt dein Schöpfer über dich? 
BEDEUTEND oder unbedeutend 
# Woran machst du das fest?
BELIEBT oder übersehen 
# Was gibt dir den Rest? 
KLUG oder dumm?
# Was macht das aus? 
# Wer sagt dir, wer du bist? 
Schau in den Spiegel -
Es ist gut, dass du bist.

(c) Katharina Kopp

Licht und Dunkelheit

Siegen wird das Licht
wenn der Tag anbricht
Licht leuchtet hell, 
manchmal gar grell.

Kommt die Nacht,
Dann gib acht!

Heller Schein
Leuchtet heim.

Dunkel bleibt nicht,
Siegen wird das Licht.

(C) Katharina Kopp

Dies ist ein Beitrag zur kollektiven Schreibaktion „Der Dienstag dichtet“ von Katha kritzelt. Die Idee hinter der Schreibaktion ist, jeweils am Dienstag ein Gedicht über etwas zu veröffentlichen, was den Autor / die Autorin gerade bewegt.

Zugang zu Gottes Liebe

Begegnung mit einer Liebenden über die Grenzen der Zeit hinweg – Nachklang eines Meditationsabends mit Texten von Mechthild von Magdeburg (1207-1282).

Die wahre Gottesliebe 
hat 7 Zugänge (Formen):
Die fröhliche Liebe geht den Weg voran,
die fürchtende Liebe nimmt Mühsal an,
die starke Liebe kann viel tun,
die liebende Liebe nimmt keinen Ruhm,
die weise Liebe hat Erkenntnis,
die freie Liebe lebt ohne Herzeleid,
die mächtige Liebe lebt immer in Seligkeit.
Mechthild von Magdeburg (II, 11)
Liebende Liebe erfasst mich, 
Fröhlich geht sie den Weg voran,
Wirft Eigenliebe hinter sich,
Durchdringt mich, bricht sich Bahn.
Kein Quentchen Ruhm für mich,
So führt sie stark, auch steil bergan.
Befreite Liebe lässt den andern leben,
Frei ist sie ganz von Druck und Zwang,
Kann befreit empfangen, weitergeben,
Erwartungsfrei ohn' alle Bang,
Auch frei von allem eig'nen Streben.
Geduldig ist sie auf Empfang,
Bedingungslos ihr Leben lang.
Starke Liebe behält die Sicht, 
Verwurzelt hält sie Stürme aus,
Steht fest und wankt auch nicht.
Suchende führt sie sicher ins Haus,
Achtet, dass mich nichts anficht.
Angst und Furcht wirft sie hinaus,
Und scheint mit ihrem hellen Licht,
Auf alle, die hier gehen ein und aus.
Fröhliche Liebe sieht die Geschenke am Wegesrand, 
Geht über vor Lob und Preis zu Gottes Ehr.
Führt liebevoll mich in ein neues Land.
Schon lange sehn' ich mich danach so sehr.

Hingebende Liebe schenkt sich immer mehr,
Empfängt mich liebevoll mit off'nen Armen,
Bedrängt mich nicht, ist immer zugewandt,
Ich nur allein bin dein Begehr,
Zuwendend, liebend, voll Erbarmen,
Füllt mir den Becher bis zum Rand!
Bedingungslose Liebe schenkt mir Zeit, 
zärtlich, schenkend, wartend bietet sie sich an,
Umhüllt mich, macht mein Herz ganz weit.
Ich schmieg mich an so dicht ich kann.
Sie kennt mich, sucht mich allezeit,
Und spürt schon lange, wenn ich nicht mehr kann.
Sie lässt sich ein, vertreibt die Einsamkeit.
Für immer zieht sie mich in ihren Bann.

Schreib' deine Liebe auf mein Herz,
Vertreib' damit auch allen Schmerz!
Du Liebe, stärker als der Tod,
Lieb' mich nach Hause, hin zu meinem Gott!

© Katharina Kopp, April 2021

Zur Goldenen Hochzeit

Meinen Eltern zur Goldenen Hochzeit am 8. August 2020 sangen wir ein schwäbisches Lied nach der Melodie „Uf de schwäbsche Eisabahna“. Die Legende besagt gewisse Ähnlichkeiten zu tatsächlichen Begebenheiten, die aber von der Autorin aus nachvollziehbaren Gründen nicht abschließend erforscht werden konnten. Bei Verständnisschwierigkeiten gibt es kostenlose Unterstützung 😉 auf Anfrage.

  1. Uf de schwäbsche Eisabahna isch amol a Mädle gfahra,
    nach Blaubeura geng i gern, gar net in so weiter Fern.
    Gholfa hot se dort im Haushalt, putza, kocha, wasche, backe,
    Arbeit gabs gar viele dort, mit 8 Kinder do vor Ort.
    Trula, trula, trulala, trula, trula, trulala
    Wain, Blaubeura, Tübinga – se wet au gern zu zweit singa.
  2. Dr wahre Zweck vo dera Reis, den zom Feira semir do,
    Sympathie war do zuhauf, so nahm des Gschichtle dann sein Lauf.
    Jugendliebe braucht ihr Zeit, fort war Annemarie ganz weit
    Beide warn no net bereit, dass des ebbes wird zu zweit.
    Trula, trula, trulala, trula, trula, trulala
    München, Ulm, noi Tübinga – se wetet gern zu zweit singa.
  3. 10 Johr hot er sich erbeta ond des hot er dann au ghalta
    S Briefla kam bei ihra a, se hot sich gfrogt „Was will der Ma?!
    S’hot dann no a Weile dauret bis mr sich denn au hot trauet.
    Doch gut Ding will Weile ha ond des war an guter Pla.
    Trula, trula, trulala, trula, trula, trulala
    Rond oms Ländle sen se greist – ond des imme gute Geischt.
  4. Manch Detail isch unterblieba, was die zwoi die Johr hend trieba,
    und des hot ja au sein Sinn, froget selber ohnehin
    Mir wünschet euch von Herzensgrund: bleibt so fröhlich ond au gsund.
    Dann gibt’s no viele gute Johr, und ihr singet schön im Chor.
    Trula, trula, trulala, trula, trula, trulala
    Rond oms Ländle send ihr greist – ond des imme gute Geischt.

©August 2020, Katharina Kopp

Frühlingsgedanken

Dann plötzlich wusst' ich, was es war, 
Auf einen Schlag so sonnenklar:
Den Frühling hatte ich vermisst,
Von soviel Schönheit wurd' ich heut' geküsst.
Wo kamst du her, herrliche Pracht? 
Nach dieser langen dunklen Zeit,
Brichst du jetzt durch mit aller Macht.
Heut zeigst du dich in buntem Kleid.
Dies' große, weite Blütenmeer, 
Tank' auf, mein Herz, nimm' immer mehr.
Doch Bote bist du nur für den,
ihn kann ein suchend' Herz schon seh'n.
Vorbei sind endlich Schmerz und Not, 
Du hast bezahlt mit deinem Tod.
Wo komm' ich her, wo will ich hin?
Nur dich zu suchen ist mein Sinn.
Der Fluss meandert durch das Tal, 
Und nahm mir weg so manche Qual.
Doch frisches Wasser schenkst du mir,
Aus deinem Quell, das dank' ich dir.
Mein Herz ist froh und neu beschwingt, 
Und tief in mir die Seele singt.
Mein ewigtreuer Herr bist du seit vielen Tagen,
Geduldig hörst du alle Fragen und auch Klagen.
Auch eine Antwort wirst du geben, 
Manche erst im nächsten Leben.
Wir legen vor dich allen Spott.
Fest trauen wir dir, treuer Gott.

©Ostern 2021, Katharina Kopp

Gedanken zur Zeitumstellung

Ein paar provozierende Gedanken und Fragen an mich selbst – und vielleicht auch an dich.

In was für einer Zeit leben wir?

In was für einer Zeit wollen wir leben?

Ist es Zeit für eine „Zeitumstellung“ im übertragenen Sinn?

Mal wieder eine Stunde weniger Schlaf,
Für viele ist das richtig taff.
Die Zeiten ändern sich, das will der Jahreskreis.
Auch fehlen Zeiten der Begegnung in unsrer Lieben Kreis
Verpasste Zeit, mit Menschen Gemeinschaft zu pflegen,
Wäre es an der Zeit, sich aufeinander zu zu bewegen?
Oder ist das die Zeit sich fernzuhalten vom Umarmen?
Ach, lieber Herr, hab‘ doch bitte bald Erbarmen!
Eine neue Zeit - Zeit der Buße und Umkehr?
Nutzen wir es als Zeit der Stille, der Einkehr!
Als Zeit des Fragens „Was will unser Herr?“
Nehmen wir Zeit zu hören, dass er uns belehr?!
Warten wir auf unser voriges Leben allzu sehr?
Oder besinnen wir uns auf die Suche nach mehr?
Ist es Zeit, zufrieden in Sicherheit zu wohnen?
Ihn zu suchen könnte sich wirklich lohnen.
Sollten wir auf eigene Stärke vertrauen?
Oder ist es an der Zeit, Gottes Haus zu bauen?
Ist es Zeit zu fragen: „Was willst du denn, Herr?“
Lösungen und Antworten, die suchen wir so sehr.
Nehmen wir uns Zeit, nach ihm zu fragen?
Oder hören wir nur, was Nachrichten und Politiker sagen?
Müssen wir Menschen mit anderen Meinungen hassen?
Oder können wir sie auch einfach stehen lassen?
Vieles gibt es hier noch zu bedenken.
Doch nur einer wird uns Weisheit schenken.
Jetzt ist die Zeit, wieder umzukehren.
Das könnte unser Glück vermehren.
Gott zu bitten, dass er Gnade schenke
Und unser aller Geschicke lenke.
Er hat es versprochen, wenn wir ihm vertrauen,
Dann dürfen wir seine Herrlichkeit schauen.
Nichts und niemand kann uns schaden,
Wir sind alle in seine Nähe eingeladen.

© Katharina Kopp