Freu dich!

Kann man das auf Befehl tun? Sich freuen? Paulus hält das offensichtlich für möglich. Er saß im Gefängnis und hatte äußerlich wenig Grund, sich zu freuen. Sicher hatte er viel Zeit zum Nachdenken. Vielleicht so wie wir momentan, wenn viele unserer kleinen Alltagsfreuden wegfallen. Echte Freude hat einen viel tieferen Grund. Wir dürfen uns darüber freuen, dass wir mit dem Herrn Jesus verbunden sind. Mir ist in den vergangenen Monaten die Freude an meiner Beziehung mit Gott viel wichtiger geworden. Das Leben hier dauert nur einen kurzen Moment, dann sind wir in der Ewigkeit mit unserem Herrn verbunden. Dort wird kein Leid und keine Not mehr sein, kein Geschrei über Unrecht, weil er das ewige Recht aufrichten wird. Der Sonntag gibt uns einen kleinen Vorgeschmack: Freu dich heute über die Zeit, die du mit Gott verbringen kannst!

Gute Laune kultivieren

Gefühle – das Salz in der Suppe des Alltagsbreis

Das Thema „Gefühle“ war mir nie so ganz geheuer. Als rationaler Mensch verlasse ich mich insgesamt mehr auf meinen Verstand. Dabei verpasste ich leider immer wieder schöne Aktionen, weil ich meine Gefühle nicht so wichtig nahm. Andererseits können sie gelegentlich in unangenehmer Form kommen und überraschen oder sogar lahmlegen. Wenn die Trauer, Scham, Angst oder Ärger sich erst mal breit gemacht haben, wird man sie oft so schnell nicht wieder los. Die negativen Gefühle kommen meist von selbst und bleiben dafür lange – wie ungebetene Gäste. Andererseits muss ich positive Gefühle oft aktiv suchen und sie verschwinden dafür umso schneller, wenn ich nicht aufpasse. Dabei sind Freude, Überraschung, Stolz oder Dankbarkeit sehr angenehme Begleiter. Aber wie kann ich diese kultivieren und somit aktiv zu guter Laune beitragen? Geht das überhaupt?

Der Monat November ist sowieso nicht so mein Lieblingsmonat: kalt, der Sommer/Herbst mit schönem Wetter ist endgültig vorbei, draußen wird es immer früher dunkel und an manchen Tagen gar nicht so richtig hell; der Dezember mit den Advents- und Weihnachtsaktivitäten noch nicht da. Für Menschen mit einer Tendenz zu depressiven Verstimmungen und Melancholie nicht besonders erfreulich. Wahrscheinlich bin ich auch nicht die Einzige, der es so geht.

Zu den gewöhnlichen Unannehmlichkeiten des Alltags kommt dieses Jahr noch eine weitere Herausforderung: unsere sozialen Kontakte, Begegnungen und kulturelle Ereignisse werden wieder enorm eingeschränkt. Ich bin ein soziales Wesen und brauche den Kontakt mit Menschen – und zwar real, nicht nur digital. Auch Körperkontakt ist wichtig zur Immunabwehr, aber den gibt es aktuell nur in recht geringen Dosen. Normalerweise trifft man sich zu dieser Jahreszeit gerne mal zu einem Tee bei ner Kerze oder am Kamin. Dies ist ja momentan auch nur bedingt möglich. Richtig: zwei Haushalte dürfen das ja noch! Zum Glück! Solche Höhepunkte sollte man auch feiern und genießen. Aber daneben gibt es auch noch andere Möglichkeiten. Damit komme ich nochmal aufs Thema „Gefühle“ zurück.

Herausforderung – Challenge

Gemeinsam mit euch möchte ich einen Versuch starten. Ist es wahr, dass man Gefühle aktiv steuern kann? Kann man positive Gefühle gezielt aktivieren und so negativen Gefühlen vorbeugen? Gleichzeitig Staunen und sich ärgern geht nicht.

Das möchte ich im November ausprobieren: jeden Tag möchte ich ein anderes Gefühl fokussieren, zu dem ich jeweils am Vorabend einen kleinen Impuls hier veröffentliche, also ab 31.10.. Meine Erfahrung hat gezeigt, dass dies besonders gut wirkt, wenn man sich bereits abends direkt vor dem Schlafengehen in dieses Gefühl einfühlt. Dann kann es passieren, dass man morgens gleich mit diesem Gefühl aufwacht. Auch wenn ich gar nicht mehr wusste, welches Gefühl ich gestern abend gewählt hatte, wachte ich irgendwie gut gelaunt auf.

Wenn du magst, sei einfach dabei! Du kannst meinen Blog abonnieren, dann bekommst du automatisch eine Nachricht, wenn es was Neues gibt. Besonders schön ist es, wenn du eine Rückmeldung gibst, wie es dir damit geht. Vielleicht kommen wir darüber ja ins Gespräch und du hast noch weitere Ideen zur Stimmungsaufhellung in der trüben Jahreszeit.

Warnung: Dies ist keine Aktion für Menschen, die nur mitmachen, um zu beweisen, dass es nicht funktioniert. Wenn du mit der Haltung an die Sache rangehst, hast du eigentlich schon verloren und läufst Gefahr zu scheitern. Natürlich heißt das auch nicht, dass negative Gefühle nicht sein dürfen, die soll man auch ernst nehmen. Aber wir dürfen selber entscheiden, wie lange sie bleiben dürfen und wann ich sie zur Ausgangstüre begleite.

Aber warum nicht sich mal auf ein kleines Experiment einlassen? Es kostet nur ein bisschen Zeit, Mut sich auf was Neues einzulassen und Neugierde! Bist du dabei?

Übrigens: Diese Idee ist Ergebnis eines (online) Kursabends von und mit Kerstin Hack, den ich wärmstens empfehlen kann: Leo. Löwenstark leben. Mehr Details findest du hier: https://down-to-earth.de/?s=leo+l%C3%B6wenstark&post_type=product

Ab Januar kannst du wieder einsteigen!

Die Inseln warten…

Bereits als Kind hatte ich den Wunsch, mit meinem Leben Gott zu dienen. Da meine Paten damals als Missionare nach Papua Neuguinea gingen, stand für mich damit mein Lebenstraum fest: Missionarin in einem anderen Land, möglichst auf einer Insel. Gegen Ende meines Lehramtsstudiums durfte ich auf zwei kürzeren Einsätzen auf den Philippinen meine Auslandstauglichkeit testen. Dort erlebte ich auch, wie Gott mich heilte von meiner Überempfindlichkeit gegen die Sonne. In meiner Kindheit hatte ich regelmäßig bei höheren Temperaturen durch starke Sonnenstrahlung einen Sonnenstich bekommen. Nach der Ankunft in Surigao, Mindanao quälten mich wieder die Kopfschmerzen. Aber mein Team betete für mich und danach wurde es besser. In all den Jahren durfte ich an der Stelle viel Bewahrung erleben.

Nach diesem Einsatz im Jahr 1997 ging mein Referendariat langsam dem Ende zu und ich besuchte eine Gemeinde in Herrenberg. Dort war eine Missionarsfamilie zu Gast aus Tonga, einer kleinen Insel im Südpazifik. Sie erzählten sehr lebendig und anschaulich von ihrem Dienst dort, wobei die Kinder ebenfalls Zeugnis gaben und einen Stocktanz aufführten. Diese Familie imponierte mir und so sprach ich die Frau (Katrina) nach dem Missionsabend an, ob sie nicht Lehrer brauchen. Wir redeten kurz über ihren Plan im Jahr 1999 ein Jahr eine Auszeit vom Homeschooling zu machen. In dieser Zeit würde eine Lehrerin für ihre beiden jüngeren Kinder gebraucht. Mit einem Gebet und einer Visitenkarte verabschiedeten wir uns.

Mein Referendariat ging zu Ende und ich stand vor der Frage, was beruflich dran sein könnte. Lehrerin an einer christlichen Schule war eine Option, die sich aber zerschlug, weil zu dem Zeitpunkt eine ziemliche Lehrerschwemme war. So musste ich vertrauen, dass Gott einen Platz für mich hat, wo er mich gebrauchen wollte, was gar nicht so einfach war. Eines Tages saß ich so betend in meinem Zimmer. Da kam mir der Gedanke, in der Zeitung nachzuschauen, ob es dort ein Stellenangebot gäbe. Dies erschien mir logisch. Doch in der Zeitung dieses Tages fand ich ein Stellengesuch der ganz anderen Art. Die Losung des Tages war dort abgedruckt und da stand klar und deutlich: „Die Inseln warten auf deine Weisung“ (Jesaja 42,4) Seit jenem Abend mit der Familie aus Tonga waren bereits mehrere Monate vergangen. Und außerdem: wo war die Visitenkarte? Die fand sich allerdings mit einem Griff – das zweite Wunder an diesem Vormittag. Die Kontaktaufnahme über Fax gestaltete sich etwas herausfordernd, aber nach einigen Emails klappte die Kommunikation dann doch einigermaßen.

So packte ich im Januar 1999 meine Sachen und bestieg das Flugzeug. Die erste Etappe sollte mich bis Honolulu, Hawaii bringen, wo planmäßig jemand von „Jugend mit einer Mission“ mich in Empfang nehmen sollte, bevor ich zwei Tage später wieder nach Tonga weiterfliegen sollte. Mit zweistündiger Verspätung landete ich morgens um 3.30 Uhr in Honolulu und stellte fest: niemand war da, der mich abholen sollte. Wie es dann weiterging, ist eine andere Geschichte. (https://wordpress.com/post/mitgotterlebt.org/528).

© Katharina Kopp

Abschied – bittersüß

Zum Abschied meiner Zeit der Zusammenarbeit bei einem gemeinsamen Frühstück mit einigen Wollbachern (Kandern) kamen mir ein paar Gedanken. Ich denke sehr gerne an diese Zeit zurück.

Mal wieder ist’s soweit,
Ich wollt, es wär‘ ne Ewigkeit.
So gern möcht ich noch hier verweilen,
Statt in die weite Fern zu eilen.
Was für ne reiche Zeit
Mit so viele liebe Leit!
Mit bittersüßem Sinn
Zieh ich nun in die Ferne hin.
Mein Dank für das Zusammensein,
Hand in Hand lief‘s meistens fein!
Wir hatten schöne Feste,
Das war für uns das Beste.
Warum geh ich jetzt fort?
So weit an einen andern Ort.
Doch jetzt ist die Zeit
Und bald ist es soweit.
Abschied ist ein schweres Wort.
Doch weil ich kenn den ewgen Hort,
Halt ich im Herzen mir
Die ewge Heimat für und für.
Der immer mit mir geht,
Er wartet schon, oh seht!
Hat seine Flügel ausgebreitet
und mich ins nächste Heim geleitet.
Doch nicht hier, nicht dort:
Er ist der ewge Hort!
und wartet schon seit langer Zeit.
Sagt, sind wir dafür bereit?
Wir sind ein Gast nur hier,
Ein paar Jahre bleiben wir,
Doch dann trägt man uns fort,
hoffentlich an einen schönern Ort.
Wer weiß, wann wir uns wiedersehn,
Doch das wäre wirklich schön!
Jetzt wünsch ich euch von Herzensgrund:
Bleibt immer fröhlich und auch gsund!

©August 2020, Katharina Kopp

Abschied

Ne schöne Zeit liegt hinter mir

Mit vielen lieben Menschen

Umarmt, geliebt, begegnet

Gelacht, geweint, geträumt

Lange vorbereitet, gehofft, gebangt

Endgültig Schluss

Ende ist gültig

Die Wohnung leer geräumt

Die Arbeit beendet

Die Freunde verabschiedet

Die letzte Seite geschrieben

Ein ganz neues Kapitel aufgeschlagen

Alleine stehe ich mal wieder

Vor dir, mein Gott

Vertrauensvoll und hoffnungsvoll

Aber doch alleine

Wer steht an meiner Seite?

Wer liebt auch die Ecken und Macken?

Nur du, mein Gott.

Du kennst und liebst mich

Von innen und von außen

Vom Anfang bis zum Ende

Du allein

Bleib bei mir Tag und Nacht

Deine Gnade soll mir genügen

Denn du bleibst an meiner Seite

Erwählt – Wendepunkt

„Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt und euch dazu bestellt, dass ich hingehen und Frucht bringen sollt und eure Frucht eine bleibende sei, auf dass der Vater euch alles gebe um was ihr ihn in meinem Namen bittet.“ Jesus in Johannes 15, 16

27. Januar 1997, zwei Jahre Referendariat lagen hinter mir. Es war eine harte Zeit mit vielen Herausforderungen, Unfällen, Krisen, einer sehr herausfordernden Arbeitssituation in einem teils eher feindseligen und unberechenbaren Umfeld und ich dachte oft “ Wenn es Gott gelingt, mich durch diese Zeit hindurch zu führen, ohne, dass ich daran zerbreche, dann gelingt ihm auch alles andere in meinem Leben.“ Und dann kam dieser letzte Prüfungstag, der mein zweites Staatsexamen besiegeln sollte, und ich hoffte auf ein Ende dieser Odysee. Doch leider hatte diese noch nicht ihren Höhepunkt erreicht. Denn in der Nachbesprechung kam dieser Satz, den niemand gerne sagt oder hört: „Es ist nie einfach, eine solche Mitteilung zu machen…“ Durchgefallen! Prüfung war nicht bestanden und so gab es an diesem Tag kein Freudenfest. Nach 5 1/2 Jahren Studium und Referendariat stand ich vor dem Nichts. Eine liebe Freundin teilte meinen Schmerz und spendete durch ihr Dasein Trost. Was jetzt?

Vom Schulamt bekam ich die Mitteilung, dass ich entweder im Februar ‘97 direkt an eine neue Schule müsse. Andernfalls könne mir keiner eine Garantie auf eine erneute Chance, das Referendariat zu beenden geben. Aber ich wusste, dass ich nicht in der Lage sein würde, eine Woche nach meinem Scheitern selbstbewusst an einer neuen Schule aufzutreten. So beendete ich meine Zeit an dieser Schule ohne Abschluss, ohne Perspektive. Was nun?

Mit meinen 24 Jahren zog ich erst mal zu meinen Eltern zurück, jobbte in einer Fabrik und versuchte, herauszufinden, wie mein Leben weitergehen könne. Verschiedene Überlegungen und Aktionen, einen anderen Berufsweg einzuschlagen, endeten immer wieder in einer Sackgasse. Sollten die 5 ½ Jahre Studium und Referendariat vergeudete Zeit gewesen sein? Ich war müde und erschöpft. Mein Selbstbewusstsein war im Keller. Da waren so viele Fragezeichen, wie es weitergehen sollte. Mitte 20, keine abgeschlossene Berufsausbildung war keine sehr angenehme Lage. Mit dem Schulamt versuchte ich weiter, einen gangbaren Weg zu finden, wie ich noch mein Referendariat beenden könnte. Vergeblich.

Aber in dem Moment, in dem ich gehört hatte, dass ich die Prüfung nicht bestanden hatte, war etwas Erstaunliches geschehen: mich hatte ein sehr tiefer Friede durchströmt, den ich mir nicht mit meinem Verstand erklären konnte. So hatte ich einen Frieden in mir gefunden, der bis heute unerschütterlich in meinem Herzen verankert ist und mir oft in schwierigen Zeiten Halt gibt. Ich wusste, Gott würde es gelingen, etwas aus den Trümmern meines Lebens zu machen. Es war nicht meine Fähigkeit, die gefragt war, sondern er würde mich befähigen, das zu tun, wozu er mich berufen hatte. Und dies nimmt bis heute immer wieder ganz neue, unerwartete Formen an.

Im Mai 1997 fand ein Einsatz auf den Philippinen statt mit jungen Erwachsenen aus Deutschland und der Schweiz. Da ich bereits seit vielen Jahren wusste, dass ich Gott im Ausland dienen wollte und einige Jahre für die Philippinen gebetet hatte, wollte ich auf diesen Einsatz mitgehen. Finanzielle Mittel waren nicht reichlich vorhanden, aber Gott versorgte mich auf erstaunliche Weise mit den nötigen Finanzen. Nur ein Beispiel: die deutsche Telekom schickte mir einen Brief, sie hätten mir zwei Jahre lang zu viel Geld abgezogen und würden mir daher 728 D-Mark überweisen. Rein rechnerisch war dies fast nicht möglich, aber das Geld landete auf meinem Konto. Es erinnerte mich daran, dass ich zu Beginn meines Studiums fast die gleiche Summe für 3 Ölfässer des OM Schiffes gespendet hatte mit der Zusage „Lass dein Brot über das Wasser fahren, so wirst du es finden nach langer Zeit.“ Prediger 11,1. So fand ich mein „Brot“ nach diesen Jahren wieder und durfte mit anderen jungen Leuten für knapp vier Wochen auf die Philippinen fliegen. Kurz vor diesem Einsatz hatte ich nochmal einen ehrlichen Brief ans Schulamt geschrieben mit der Bitte, nochmal zur Prüfung zugelassen zu werden. Dann legte ich die Sache in Gottes Hände, getrost, dass er sich des Ganzen annehmen würde.

„Once you slept on an island, you will never be the same.“

Wenn du einmal auf einer Insel geschlafen hast, wirst du nie wieder der Gleiche sein.

Es war eine bewegte Zeit, sowohl äußerlich als auch innerlich. Wir waren hauptsächlich im Süden unterwegs, in Cebu und Mindanao. Bei Einsätze in verschiedenen Gemeinden und bei Großveranstaltungen, ermutigten wir Menschen mit Tänzen und Zeugnissen über Gottes Wirken, ihm zu vertrauen. Auch Kranke, für die wir beteten wurden geheilt. Es war eine äußerst gesegnete Zeit. Aber mein persönliches Highlight war ein anderes:

Zu Beginn dieser Zeit fand ein Jugendlager statt. Dabei gab es unterschiedliche Wettkämpfe. Bei einem „Extemporanius“ ging es darum, 5 Minuten über einen Bibelvers zu sprechen. Das Spannende war, dass man nur 5 Minuten Vorbereitungszeit hatte. Tief in meinem Herzen wusste ich, daran muss ich teilnehmen und so meldete ich mich an. Was keiner wusste: ich hatte mit Gott ein Abkommen geschlossen: Wenn es gelingt, dass ich diese 5 Minuten sprechen kann ohne ins Stocken zu kommen, beschämt abzubrechen und mich vorzeitig an den Platz zu setzen, würde es auch gelingen, dass ich doch noch Lehrerin werden kann.

So ging ich in den „Wettkampf“ mit anderen jungen Leuten. Der Teilnehmer vor mir brach nach 2 Minuten ab und setzte sich hin. So hatte ich 3 Minuten Ruhe, wo ich mich auf diesen Vers konzentrieren und betete um Verständnis für diesen Vers: „Nicht ihr habt mich erwählt…“ Gott hat erwählt, und wenn er erwählt und wir seine Wege gehen, dann wird unsere Frucht bleiben. Diese sieht oft ganz anders aus, als wir uns das vorstellen. So bewegte ich verschiedene Gedanken und saß betend und hörend, was Gott mir zeigen würde an meinem Platz, bis meine Zeit zu reden gekommen war. Als ich nach vorne ans Rednerpult trat, geschah in meinem Inneren etwas, das ich bis heute als den Wendepunkt meines Lebens ansehe, sich aber nicht so einfach beschreiben lässt. Es war als würden mächtige Eisenketten zerbrechen, die mich gefangen gehalten hatten, das zu tun, was ich tun sollte. Ich begann zu reden mit einer Freimütigkeit, wie ich sie zuvor nie erlebt hatte, sprach über diesen Vers mit einer mir fremden Autorität, betete noch mit dem Publikum und setzte mich nach meinen 5 Minuten zitternd wieder an meinen Platz. Gewonnen gegen die inneren Blockaden, die Gedanken, die mich zurückhalten wollten: „Das kannst du doch nicht machen, was denken denn die anderen“ die Stirn geboten. Gewonnen hatte ich aber auch den Predigerwettbewerb, an dem insgesamt ca 11 Teilnehmer mitgemacht hatten. Dieses Erlebnis hat meine ganze Person verändert, plötzlich war mir klar – und zwar nicht nur theoretisch – dass Gott einen Plan und ein Ziel mit meinem Leben hat. Die Zusagen, die ich in meiner (stillen) Zeit mit ihm bekam waren so ermutigend, wie ich es mir nie hätte träumen lassen. Während dieser Wochen redete ich sehr viel mit Gott, etliche dieser ermutigenden Gespräche und Zusagen habe ich aufgeschrieben.

Der Einsatz ging weiter mit vielen weiteren schönen Erlebnissen und wir flogen erfüllt, aber auch müde wieder zurück nach Europa. Zu Hause wartete eine Riesenüberraschung auf mich: ein Brief des Schulamtes mit der Zusage auf einen erneuten Platz, mein Referendariat an einer anderen Schule nochmal aufnehmen zu dürfen. So kam ich im Herbst an eine sehr nette Schule mit einem liebevollen Kollegium, sowie einem unterstützenden Schulleiter. Dezember 1997 kam wieder die Prüfunssituation. Wer einmal eine Prüfung zum zweiten (und damit oft auch letzten) Mal gemacht hat, weiß, wie groß die Ängste sein können. Aber mit Unterstützung gelang es, in die Prüfung zu gehen und dieses Mal bestand ich tatsächlich. So hatte ich das 2. Staatsexamen doch noch absolviert und somit die Basis für die Zusage Gottes, dass er mich als Lehrerin gebrauchen würde. Ich bin ein zerbrechliches Gefäß, aber wenn er in mir mächtig ist, dann kann Gutes geschehen. Dann kann sein Licht scheinen in diese Welt hinein, egal wo ich mich befinde und welchen Aufgaben ich nachgehe. Dass ich danach in verschieden Ländern als Lehrerin gearbeitet, Bibelschule unterrichtet und sogar sechs Jahre lang eine bilinguale Schule geleitet habe, ist ein Zeichen seiner ganz besonderen Treue.

(c) Katharina Kopp

Esther 4

Dienstag, 26.5.2020 Hauskreis

Personen
Mordechai
  • Er informiert Esther über seine Einschätzung der Lage.
  • Er bringt seine Not massiv zum Ausdruck mittels einer dramatischen symbolischen Handlung, die Aufmerksamkeit erregt: Jeder soll über das Unrecht bescheid wissen: Alle trauerten.
  • Er nutzte seine wichtige Position und tat seinen Teil, damit Gott handeln würde. Das bringt auch sein Gottvertrauen zum Ausdruck
  • Er kommuniziert gut auf verschiedenen Kanälen.
  • Seine Anweisung an Esther, ihr Judentum bekanntzugeben entspricht seinem vorherigen Gebot, es zu verheimlichen.
  • Er macht einen Plan, anders als der König (der sich in seiner Situationsanalyse von seinen Beratern beeinflussen lässt).
  • Er zwingt Esther nahezu, ihre Position zu nutzen.
Esther
  • Sie identifiziert sich mit den Regeln des Königshofes:
    • gibt Mordechai Kleidung, damit er sich anständig kleidet.
    • hat Angst, zum König zu gehen.
  • Sie ist vollkommen abgeschottet, fast wie in einem Gefängnis, sie darf nicht raus, um mit Mordechai zu reden.
  • Sie macht in diesem Kapitel eine Gesinneswandlung durch.
  • Sie erlaubt Mordechai in ihr Leben zu sprechen.
  • Sie erhält die Chance, sich für Gottes Volk in besonderer Weise einzusetzen und sie ergreift sie, aber Gott hätte auch ohne sie handeln können.
  • Sie ist bereit, gegen das Gesetz zu verstoßen, indem sie ungefragt zum König geht (V 16). Dürfen wir das tun als Christen?
  • Sie hat den Mut der Verzweiflung, hat aber auch ein Mandat, eine Stimme beim König.
  • Sie tut, was sie tun muss, auch wenn es nicht von Erfolg gekrönt sein sollte.
Kontext
  • Esther schickt Mordechai Kleidung, weil er nicht mit Sack und Asche in den Palast kommen darf. Will sie, dass er reinkommt, damit sie mit ihm reden kann?
  • Früher sagte Mordechai Esther, was sie tun soll, jetzt ändert sich die Rollenverteilung und sie sagt ihm, was er tun soll (V 16). Sie handelt gemäß ihrer Identität als Königin.
  • Wann kam Fasten das erste Mal in der Bibel vor? Lev. 16,29: Fasten war auch mit Buße verbunden.
  • Woher wusste Esther davon?
  • 3 Tage Fasten ohne trinken ist ganz schön gefährlich. Wer 3 Tage fastet, der betet auch.
Lebenslektionen
  • Was tun wir, wenn wir mit so einem Problem konfrontiert werden wie Mordechai und Esther?
    • Vertrauen auf Gott
    • Versuch, es selbst zu managen
  • Was treibt, was motiviert uns?
  • Esther und Mordechai gehen ein großes Risiko ein und handeln mutig. Sie vertrauen Gott in einer aussichtslosen Lage.
  • Parallele zu Esther: Gottes Reich geht auch ohne uns weiter, aber vielleicht möchte er uns gerade für eine ganz bestimmte Aufgabe gebrauchen zu unserer Zeit. Er baut sein Reich auch ohne uns, aber wir haben eine Chance, uns von ihm gebrauchen zu lassen.
  • Manchmal braucht es jemand anderen, der dich puscht, bis du keine andere Wahl mehr hast (V 14).
  • Hätten wir manchmal mehr Mut, wenn mehr auf dem Spiel steht?
  • Jim Elliot: „Der ist kein Narr, der hingibt, was er nicht behalten kann um zu gewinnen, was er nicht verlieren kann.“
  • Vielleicht wurde sie Königin, um in dieser Zeit die Juden zu retten, um diese Gruppe aus dieser Bedrohung zu retten?
  • Vielleicht hat Gott dich an deinen Platz gestellt, um…
  • Was könnte Gott für diese Zeit für uns haben, dass wir jetzt gerade an dem Platz sind, wo wir sind? Welche Berufung, welche Aufgabe hat er für dich?
  • Jeder wird zu einer bestimmten Zeit an einen bestimmten Punkt gebracht.
  • Gott benutzt uns an dem Ort, wo er uns hingestellt hat, aber auch an jedem beliebigen Ort können wir uns von Gott benutzen lassen.
  • Gott wirkt auch dann, wenn wir nicht im Plan A leben, sondern in Plan B, C oder D.
  • Erfolg ist nicht das Einzige, was zählt. Esther war bereit, ihre Stimme zu erheben und das zu tun, was dran war, auch auf die Gefahr hin, getötet zu werden.
  • Wir können heute direkt und jederzeit zum König gehen ohne Angst.
  • Woher wusste Mordechai, dass Gott Hilfe schicken würde? Er vertraute Gottes Wort und wusste, dass sich die Verheißungen erfüllen müssen. Er wusste, dass sie in das verheißene Land zurückkehren würden, auch wenn er nicht wusste wie.
  • Esther musste nicht für ihr Volk sterben, aber Jesus starb später für sein Volk.
  • Auch für Jesus war es schwierig, für sein Volk zu sterben und er hatte Angst davor, aber er tat es, um sein Volk zu retten.

Esther 3

Dienstag, 19.Mai 2020 Hauskreis

Personen
Haman
  • Er bekam einen besonderen Rang und wollte, dass andere vor ihm niederfallen, Mordechai weigerte sich.
  • Er wollte alle Juden umbringen.
  • Er war hochmütig, machtgierig, rachsüchtig, vergibt nicht, versucht, die Angelegenheit auf eine höhere Ebene zu bringen.
  • Parallelen zum König aus Esther 1: Verweigerung des Gehorsams führt zu Wut und Aggression.
  • Ein machthungriger Mensch in Macht und Würde zieht seine Agenda durch.
Mordechai
  • Er ist so absolut überzeugt, dass sein Handeln richtig ist, dass er sich nicht unterkriegen lässt.
  • Warum ist er plötzlich so mutig, obwohl er vorher Esther ausgebremst hatte, ihr Judentum preiszugeben?
  • Er ehrt den König, will sich aber nicht vor Haman beugen.
  • Es gibt andere Situationen (z.B. Daniel), wo sich Juden weigerten, sich vor Statuen zu verneigen.
  • Er vertraute Gott und es ging gut aus. Es hätte auch anders ausgehen können.
  • War er mutig und weise oder töricht? Oder – wie Dietrich Bonhoeffer schreibt „beides zugleich“?
  • Er beugt sich nicht vor Haman und begründet es damit, dass er Jude ist, er nennt keine politischen Gründe.
König Ahasueros:
  • Für ihn war das Volk nicht so wichtig.
  • Er ist selbst nicht so aktiv, sondern lässt andere über sein Handeln bestimmen.
Ereignisse und Beobachtungen :
  • Haman wählte per Los einen Tag zur Vernichtung der Juden. Dieser Tag lag 11 Monate später, also eine recht lange Zeit.
  • Die Juden wussten also bereits lange im Voraus, dass sie vernichtet werden würden – oder war das Ziel, sie zu vertreiben?
  • Kontrast zwischen hoch sein und niedrig sein:
    • Haman und der König setzen sich hin, essen und trinken.
    • Das Volk ist in Bestürzung. (V 15)
  • Gott lässt es einfach mal geschehen. Oder war er aktiv? Etwa darin, dass das Los noch einen gewissen zeitlichen Spielraum gibt?
  • Für Mordechai war das Prinzip wichtiger als sein Tod und der seines Volkes. Wollte er Haman provozieren?
  • Wie war Gott am Wirken in dieser Situation?
Lebenslektionen
  • Es gibt zwei Formen von Bösem: aktiv oder passiv
    • Auch das Passive, das Desinteresse ist genauso böse.
    • Habgier und Mord im Herzen unterstützen böse Absichten.
  • Die meisten Menschen sind Mitläufer und beugen sich.
  • Es ist wichtig, die übertragene Verantwortung wahrzunehmen und nicht billig an andere weiterzugeben.
  • Machtpositionen sollten nicht für den Eigennutz verwendet werden, sondern im Sinne von dienender Leiterschaft.
  • Unsere Entscheidungen sind nicht das Wichtigste, am Ende geschieht etwas ganz anderes, weil Gott alles für Gutes nutzt.
  • Alle Entscheidungen werden weggeworfen und Gott macht das, was er will.
  • Gott benützt selbst das Schicksal.

Esther 1

Dienstag, 5.Mai 2020 Hauskreis

Kontext:
Kultureller Kontext:
  • In dieser patriarchalischen Gesellschaft regierten die Männer und die Frauen mussten spuren.
  • König Xerxes/Ahasueros feierte 6 Monate.
Geographischer Kontext:

Das Reich der Babylonier war extrem groß, es reichte von Ägypten bis ins heutige Pakistan und umfasste 127 Länder mit deren Sprachen.

Historischer Kontext:
  • Die Juden waren ihren Souzerain Herren immer wieder ungehorsam gewesen, sodass Gott den Babyloniern erlaubte, sie gefangen fortzuführen.
  • Jetzt lebten viele Juden im babylonischen Reich, so auch in der Stadt Susa, in der diese Geschichte spielt.

Autor:

  • Der Autor ist unklar, aber er war wohl Jude und lebte in einer persischen Stadt.

Bibel:

  • Jesus oder die Apostel zitieren nie aus dem Buch Esther.
  • Esther ist ein einzigartiges literarisches Werk.
  • Das Purim-Fest hat seinen Ursprung im Buch Esther. Dabei wird jedes Jahr Esther als Festschrift gelesen.
Personen

Königin Wasti war eigentlich klug, nicht zu den betrunkenen Männern zu gehen, sie hatte ihre persönliche Würde. Sollte sie nicht eher gelobt, statt bestraft zu werden?

König Ahasueros

  • Er war sehr stolz.
  • Sein Status scheint sehr wichtig zu sein:
    • Hatte er Angst darum, seine Position, seinen Status zu verlieren
    • Er stellte seinen Reichtum zur Schau.
    • Er ließ alles Volk zählen.
    • Sind ihm die Zahlen zu Kopf gestiegen?
    • Er vertraute auf seine eigene Stärke und war niemand verantwortlich.
    • Macht zu haben kann sehr anstrengend sein, da man immer noch etwas braucht, um das Bisherige zu toppen.
    • Das Höchste, was König Ahasueros seinen Gästen bieten wollte, war die geschaffene Schönheit seiner Frau.
    • Ahasueros spielte seine Macht in seinem Reichtum aus.
    • Viel Macht war auf diese eine Person vereint.
  • Andererseits war er abhängig von anderen:
    • Er war abhängig von seinen Fürsten.
    • Er brauchte Bestätigung durch andere.
    • Seine Macht droht am Ungehorsam seiner Frau zu zerfallen – Häusliche Probleme können sehr viel Einfluss auf eine ganze Nation haben.
    • Er fragte seine Berater erst zu spät.

Mordechai und Esther

  • Sie hielten ihren Glauben geheim. Es kann manchmal gut sein, seinen Glauben nicht plakativ vor sich her zu tragen.
  • Beide waren sehr zurückhaltend, lebten aber nach Gottes Willen.
  • Ohne Königin Esther gäbe es wohl heute keine Juden

Beobachtungen:

  • Irgendwie existierte eine Angst vor Frauenherrschaft, das Thema „Der Mann ist Herr im Haus“ war wichtig.
  • Nachdem die Menschen viel gefestet hatten, waren sie am Schluss frustriert.
  • Der Name „Gott“ kommt in dem Buch nicht vor, trotzdem spielt er eine große Rolle.
  • Beziehung zwischen Mann und Frau ist sehr zentral in diesem Buch.
  • Auch in Nordkorea leben Menschen nach Gottes Willen, weil sie ihren Glauben nicht offen kommunizieren dürfen.

Lebenslektionen:

  • Gottes Souveränität kommt klar zum Ausdruck im gesamten Buch Esther.
  • Wenn der König (Jesus) ruft, sollen wir kommen.
  • Gott ist derjenige, der Status gibt.
  • Gott steht zu seinem Volk und hält sein Wort.
  • Gott ist immer am Arbeiten.
  • Wein sollte in Maßen getrunken werden.
  • Reichtum macht stolz und überheblich.
  • Was man zuerst sieht, ist nicht das Ende der Geschichte.
  • Es kommt schlecht, wenn man auf Menschen herumtrampelt.
  • Es hängt viel davon ab, welche Berater man sich sucht.
  • Bevor ich Freunde frage, was ich tun soll, frage ich Gott.
  • Lasse ich Berater zu, die etwas anderes sagen?

Fahrt im Dunkeln

Im Dunkeln breche ich um 4 Uhr morgens auf. Der Urlaub an der Ostsee neigt sich langsam dem Ende zu. Mein Fahrrad hatte ich bereits abends präpariert mit meinen Satteltaschen und jetzt gilt es nur noch ein paar letzte Kleinigkeiten einzupacken. Ich hatte auf Mond gehofft, aber der lässt sich an jenem Morgen im August 2019 nicht blicken. So fahre ich im Dunkeln die bekannte Strecke zum Greifswalder Bahnhof. Drei Kilometer können da ganz schön lang sein. Zeit hatte ich genug eingeplant und so fahre ich langsam und vorsichtig, um kein Hindernis zu übersehen. Auf einmal verliere ich etwas. Was das wohl war? Ich drehe um und sammle meine verloren gegangene Fahrradpumpe wieder ein. Die gesamte Situation erinnert mich an einen Vers in der Bibel:

„Dein Wort ist meines Fußes Leuchte und ein Licht auf meinem Wege.“ Psalm 119, 105.

So wie ich an jenem Morgen dankbar bin für mein Fahrradlicht, bin ich auch dankbar, dass Gottes Wort mir Licht und Wegweisung gibt für jeden neuen Tag. Manchmal gibt es Wegstrecken, wo man ganz langsam fahren muss, damit man nicht in Gefahr gerät. Auch bekannte Strecken sind bei Dunkelheit nicht unbedingt einfach zu meistern.

Bei der Ankunft am Bahnhof bin ich dann doch erleichtert. Hier ist alles hell erleuchtet und ich habe noch genug Zeit, zu warten bis der Zug kommt. Wie schön, dass dieser Teil meiner Reise auch gut ging. Wie so viele Male wurde ich auch hier wieder daran erinnert, dass Gott mir an jedem Tag neu mit seinem Licht leuchtet. Dafür bin ich von Herzen dankbar.

Meine nächste Station ist Berlin. Inzwischen ist die Sonne aufgegangen und jetzt genieße ich den zweistündigen Aufenthalt bis mein ICE nach Frankfurt abfährt. Das Brandenburger Tor und der Reichstag in der Nähe des Bahnhofs sind mein Zwischenziel. Was für ein herrlicher Morgen und so früh ist auch noch recht wenig los. Wie schön! Wenn man sich im Dunkeln aufmacht, hat man immer die Hoffnung darauf, dass das Licht durchbricht. Das macht Mut, sich immer wieder trotz Dunkelheit auf neue Wagnisse einzulassen.

(c) Katharina Kopp August 2019