Es war eine schwere Zeit, mein erstes Jahr als Schulleiterin der bilingualen Grundschule in Kandern. Da verunglückte ein Kind auf dem Pausenhof. Obwohl ich nicht direkt dabei war, belastete es mich emotional sehr, ich war müde und kraftlos. Ich brauchte dringend Unterstützung und Rat, wie es weitergehen sollte.
Eines Abends war ich bei einem Gebetstreffen, wo wir uns gezielt einmal im Monat in der Gruppe, aber auch als Einzelne Zeit nahmen, auf Gott zu hören. Nach der Lobpreiszeit beteten wir und der Leiter sagte „Der Tisch ist bereitet.“ Danach kam die Zeit, in der jeder Stille hatte, um persönlich auf Gott zu hören. Ich setzte mich etwas abseits und schloss die Augen. Vor meinen inneren Augen sah ich den erwähnten Tisch. Darauf lag ein Brathähnchen. Sonst nichts. Ich wartete darauf, dass es weitergehen würde, damit ich verstehen würde, was Gott mir sagen wollte. Aber das war alles, nur dieses Brathähnchen. Nach einer Zeit des Betens und inneren Hörens erkannte ich: das war es! Gott, als mein himmlischer Versorger hatte mir gezeigt, was ich essen sollte, um wieder zu Kräften zu kommen. Am kommenden Tag kaufte ich mir ein Hähnchen und bereitete es zu. Ich spürte, wie die Nährstoffe und das Wissen um Gottes Treue mir neue Kraft gaben.
Zubereitung: innen Orangenviertel (von einer ungespritzten Orange), außen eine Marinade aus Öl, Zitrone, Kräuter, Salz und dann im Backofen garen.
Bis heute fasziniert mich diese Geschichte, weil mir in dieser Situation so bewusst wurde, wie gut mein himmlischer Vater mich versorgt. Später an dem Abend beteten die Geschwister auch noch für die schwere Situation auf der Arbeit, die sich noch eine Zeitlang hinzog, aber mir emotional nicht mehr so zusetzte. Es tut gut, immer wieder solche Geschwister zu treffen.
Durch diese Erfahrung wurde mir auch bewusst, wie wichtig es ist, um Schutz zu beten für den eigenen Verantwortungsbereich.
Die Liebe hat in meinem Wesen Dich abgebildet treu und klar; kein Maler lässt so wunderbar, o Seele, deine Züge lesen. Hat doch die Liebe dich erkoren Als meines Herzens schönste Zier: Bist du verirrt, bist du verloren, o Seele, suche dich in mir.
In meines Herzens Tiefe trage ich dein Porträt, so echt gemalt; sähst du, wie es vor Leben strahlt, verstummte jede bange Frage. Und wenn dein Sehnen mich nicht findet, dann such nicht dort und such nicht hier: Gedenk, was dich im Tiefsten bindet, und, Seele, suche mich in dir.
Dieses Mal hat schon der Samstag gedichtet. Passend zum Wochenende, wo wir den Sabbat feiern, ein Text, der stellenweise ein Gebet ist. Die Gedanken kommen aus einem Impuls, den ich zu Beginn der Woche weitergeben durfte an meine Kollegen.
Kathakritzelt.com hat diese Aktion ins Leben gerufen: Jeden Dienstag wird ein Gedicht aus eigener Herstellung veröffentlicht.
Obwohl ich so reich beschenkt bin, geht mir Manches so richtig auf die Nerven. Seien es die lieben Mitmenschen, die so ganz anders ticken als ich oder die Situationen, die bedrücken – womöglich gar meine eigenen Macken! Tja, wie gehe ich damit um? Ich will ja eigentlich ein reifer Mitmensch – Christ sein, der immer liebevoll und freundlich ist und sich durch nichts aus der Ruhe bringen lässt. Und dann lese ich diese Worte:
Als untadelige Kinder Gottes sollt ihr wie Himmelslichter mitten unter den verdrehten und verdorbenen Menschen dieser Welt leuchten.
Paulus schreibt diese Worte aus dem Gefängnis in einem Brief an die Philipper (Kapitel 2 Vers 15)
Ja, lieber Paulus! Und wie geht das, wenn in mir ein Kampf tobt und mein kleiner Choleriker mit mir durchgehen möchte??? Mit Paulus erkenne ich: Nein, aus eigener Kraft wird das nichts! Aber wie denn?
Ich analysiere, denke nach, ringe mit mir, bete und bitte Gott um die rechte Herzenshaltung, seine Perspektive. Und siehe da! Immer wieder kommen die inneren Stürme zur Ruhe. Ich spreche aus, was mich stört oder ignoriere es geflissentlich. Gelingt es mir, in ruhigem Ton, womöglich mit Humor das anzusprechen, wo ich meine Grenzen verletzt sehe, mich übergangen fühle? Oder hake ich es ab, weil ich keine Lust auf die Konfrontation beziehungsweise potenzielle Eskalation habe?
Da ist sicher noch Luft nach oben. Aber an der Herzenshaltung will ich arbeiten, denn aus dem Herzen kommen alle meine Worte und Taten, die vorteilhaften, aber auch die verurteilenden. Daher will ich mein Inneres gut pflegen und am Tagesende gründlich von allem Schmutz des Tages reinigen. Bereits der weise König Salomo wusste:
Mehr als alles hüte dein Herz, denn aus ihm strömt das Leben.
Oft übersehe ich die kleinen Dinge, die den Alltag bereichern. Aber es tut gut, diese bewusst anzuschauen. Dazu hilft ein Tagesrückblick, den schon Ignatius von Loyola praktizierte und ausführlich beschreibt.
In jedem Moment, wo ich Gott finden will, finde ich ihn.
Beim sogenannten „Gebet der liebenden Aufmerksamkeit“ geht es darum, sich am Tagesende prüfenden Fragen zu unterziehen und diese mit Gott anzuschauen, z.B.:
Wann war ich heute so richtig lebendig? Welchen Moment siehst du als den schönsten?
Was passiert in mir? Was ist in meinem Herzen? Warum fühle ich so?
Wo war ein Moment der inneren oder äußeren Verwüstung? Wie gehe ich damit um?
Wie dient mir das in meinem Reifungsprozess?
Welchen Zuspruch bekomme ich?
Was war das Besondere?
Wo wurde ich beschenkt?
Challenge: Wähle am Ende des Tages eine oder mehrere Fragen aus und denke darüber nach! Gehe in Gedanken deinen Tag durch und notiere, was dir auffällt. Wenn du magst, teile wertvolle Erkenntnisse hier.
Es gibt Tage, da weiß ich sofort, welches der schönste Moment war, manchmal muss ich länger nachdenken. Wenn ich an weniger schönen Momenten hängen bleibe, merke ich: da sollte ich noch aufräumen. Vielleicht bekomme ich einen göttlichen Zuspruch in diesem „Moment der Verwüstung“. Oder ich muss mit einem anderen Menschen noch etwas ins Reine bringen. Am besten notiere ich das gleich im Kalender.
Beschenkt wurde ich
vor vielen Jahren als ein Pfau eine Feder vor mich hin warf, um die ich gerade in meinem Herzen gebetet hatte.
durch die Erkenntnis, dass ich ohne meinen himmlischen Vater nichts tun kann.
durch eine wertschätzende Begegnung.
als ich im Schwarzwald Kängurus entdeckte.
durch Versorgung in vielen kleinen und großen Anliegen
wenn ich Gottes Nähe so real spüre und mich von ihm umarmen lasse
…
Ich spüre Gottes Liebe, wenn er meinen zaghaften Wünschen entspricht. Und du?
Kathakritzelt.com hat diese Aktion ins Leben gerufen: Jeden Dienstag wird ein Gedicht aus eigener Herstellung veröffentlicht.
Das Titelbild ist von meiner lieben Freundin Hélène Varley mit freundlicher Genehmigung genutzt.
„Nachdem wir durch den Glauben von unserer Schuld freigesprochen sind, haben wir Frieden mit Gott durch unseren Herrn Jesus Christus. Er hat uns die Tür zu diesem neuen Leben geöffnet. Im Vertrauen haben wir dieses Geschenk angenommen, auf das wir uns jetzt gründen. Und mehr noch: Wir werden einmal an Gottes Herrlichkeit teilhaben. Diese Hoffnung erfüllt uns mit Freude und Stolz. Doch nicht nur dafür sind wir dankbar. Wir danken Gott auch für die Leiden, die wir wegen unseres Glaubens auf uns nehmen müssen. Denn Leid macht geduldig, Geduld aber vertieft und festigt unseren Glauben, und das wiederum stärkt unsere Hoffnung. Diese Hoffnung aber geht nicht ins Leere.
Denn uns ist der Heilige Geist geschenkt, und durch ihn hat Gott unsere Herzen mit seiner Liebe erfüllt.“
Paulus in seinem Brief an die Römer 5:1-5 (Hoffnung für alle)