Nicht aufgeben!

Station von JMEM in Tonga

März 1999

Meine Zeit in Tonga war sehr abwechslungsreich. Morgens fuhr ich mit dem Fahrrad in das Dorf Mua (ungefähr 3 km entfernt), dort unterrichtete ich die beiden Missionarskinder. Nachmittags half ich auf der Station von JMEM mit oder arbeitete in einem Kinderprogramm in den ärmeren Dörfern mit. Nach einigen Wochen kamen meine Freunde am Sonntag vorbei und nahmen mich mit zu einem Spaziergang am Meer. Sie hatten sich zum Ziel gesetzt, während ihrer Zeit in Tonga etappenweise die Insel zu umrunden. Es war ein schöner Spaziergang. Da der Sand am Meer piekste, entschied ich, auf den angenehm flachen Steinen zu laufen. Dass diese auch ziemlich glitschig waren, merkte ich erst, als ich ausrutschte und auf meiner linken Hand landete. Diese tat höllisch weh und es war klar, das ist etwas Ernstes. So fuhren wir ins einzige Krankenhaus der Insel. Nach langem Warten wurde uns mitgeteilt, dass es erst am kommenden Tag mit einer Untersuchung klappen konnte. Handgelenk gebrochen, so war dann die Diagnose. Ein Gips wurde angebracht, der von den Fingern bis zur Schulter alles einpackte. Sicher ist sicher! Der einzige operierende Arzt der Insel hatte sein Bestes gegeben, Chirurg war er natürlich nicht. Ein weiteres Röntgenbild ca 12 Tage später ergab einen kleinen Spalt zwischen den Knochen. Der Privatarzt, den wir nun aufsuchten, empfahl mir dringend, nach Neuseeland zu fliegen und es anständig richten zu lassen, sonst liefe ich in Gefahr Arthritis zu bekommen. Gesagt, getan! Die Untersuchung im Middlemore Hospital ergab, dass es sich um eine Retardierung handelt, das heißt, die Knochen waren bereits falsch zusammengewachsen. Der Arm wurde also geöffnet, der Karpaltunnel freigelegt, weitere Details erspare ich. Aber der Arzt hatte seinen Job gut gemacht, wie sich nach und nach herausstellte.

Bei der Rückkehr nach Tonga erfuhr ich, dass im Haus neben mir eine deutsche Familie eingezogen waren. Die Frau war Physiotherapeutin. Und so hatte ich eine erstklassige, täglich verfügbare Behandlung, als der Gips endlich ab war. Es war sehr herausfordernd, weil mein Unterarm sehr lange lahmgelegt war und überhaupt keine Kraft mehr hatte. Es kostete mich Überwindung, den Arm immer wieder zu trainieren, weil er so schwach war. Aber da lernte ich kämpfen. Ich wusste, wenn ich jetzt nicht meinen Arm trainiere, werde ich zeitlebens geschwächt sein. Das wollte ich nicht. „60-70% sind jetzt bereits wieder da“, sagte mir der Arzt, „20-30% kommen noch dazu.“ Ich entschied mich, die 70 und die 30 zu nehmen, um auf 100% zu kommen und das ist tatsächlich gelungen. Man merkt heute kaum einen Unterschied zwischen meiner linken und meiner rechten Hand – bis auf eine große Narbe am linken Handgelenk. Auch Gitarre spielen funktioniert ebenso wie Vieles andere. Dass mein linker Arm voll funktionstüchtig ist, ist für mich ein sehr großes Geschenk meines himmlischen Vaters.

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