Bist du bereit?

…diese Frage wurde mir gestellt und damit war klar: ich hatte die Wahl.

Aber erst mal von vorne. Es war Ende 2019. Ich war in meinem sechsten Jahr als Schulleiterin der CSK, einer bilingualen Grundschule in Kandern. Die Arbeit machte mir viel Freude und ich hatte viel Gestaltungsspielraum. Andererseits war sie auch ziemlich herausfordernd und brachte mich immer wieder an meine Grenzen. Daher hatte ich 2 Jahre zuvor ein Sabbatical beantragt und angefangen, dafür zu sparen. Der geplante Zeitraum war ab September 2020, also das darauffolgende Schuljahr. Was in dieser Zeit geschehen sollte, war noch nicht klar. Eine Zeitlang ins Ausland, eventuell sogar für länger und damit ganz aus der Schule aussteigen? Viele Gedanken und Ideen bewegten mich.

In Kandern hatte ich Kontakt zu Wycliff (https://wycliff.de) bekommen über Freunde, die sich im Bereich der Bibelübersetzung, Sprachforschung und Alphabetisierung engagieren. Im Sommer 2019 besuchte ich eine Freundin, die mittlerweile von Kandern in die Nähe des deutschen Wycliff Zentrums nach Holzhausen umgezogen war. Ich fuhr mit Freunden frühmorgends los. Im Gespräch erzählte ich ihnen, dass ich bereits mit 17 vorgehabt hatte, mal bei Wycliff in der Bibelübersetzung mitzuarbeiten. Das war dann aber ziemlich in Vergessenheit geraten. Meine Freundin meinte nur nebenbei: „Es ist ja noch nicht zu spät.“ So nebensächlich der Satz gesagt worden war, er saß und bewegte mich. Sollte das Gottes Weg sein?

Ende November fand ein STEPS Wochenende für Missionsinteressierte statt. Ich hatte mich angemeldet, um zu prüfen, ob und in welchem Bereich ich bei Wycliff im Ausland mitarbeiten könnte. Bewusst hatte ich meine Erwartungen nach unten geschraubt. Aber es kam dann ganz anders und ziemlich überraschend.

Nach jeder Einheit fand ein Gespräch mit einem Mitarbeiter statt, in meinem Fall war das der damalige Personalleiter von Wycliff. In unserem zweiten Gespräch fragte er mich, ob ich mir vorstellen könnte, die Personalleitung von ihm zu übernehmen, wenn er in Ruhestand gehen würde. Das kam für mich völlig unerwartet, ich begann aber, darüber nachzudenken und zu beten. Abends besuchte ich noch meine Freunde und betete auch mit ihnen, ob das mein Weg sein könnte. Als ich später im Bett lag, hatte ich den Eindruck, dass Gott mit mir reden möchte, wie ich dies bereits öfter erlebt hatte. In diesem Moment überraschte es mich jedoch, da ich müde war und schlafen wollte. Doch nach anfänglichem Zögern war ich wieder hellwach. Denn jetzt hörte ich ganz klar die Frage:

Bist du bereit, diese Aufgabe zu übernehmen, wenn dies die Werke sind, die ich für dich vorbereitet habe? „Wenn dies der Platz ist, den ich für dich vorgesehen habe, bist du bereit?“

Epheser 2,10

Es ging weiter mit der Frage, ob ich bereit wäre, wie Hur und Aaron die Hände Moses, die Hände derer hochzuhalten, die sein Reich vorantreiben (vergleiche die Geschichte in 2. Mose 17,2). Ich spürte, das war eine ernste Anfrage, die ich nicht einfach beiseite schieben konnte. Bereits als Teenager hatte ich Gott gebeten, die Führung über mein Leben zu übernehmen, da er besser weiß, was er in mich hineingelegt hat und mich besser kennt, als ich mich selbst kenne. Daher war für mich klar, was ich als nächstes zu tun hatte. Ich war zwar mit der Frage in das Wochenende gegangen, ob sich eine Tür für meinen weiteren Weg auftun würde, doch so eine klare Führung hatte ich nicht unbedingt erwartet.

So machte ich mich in der darauffolgenden Woche daran, meine Bewerbungsunterlagen zusammenzustellen und den Abschluss sowie die Übergabe der Schulleitung an meiner Schule in die Wege zu leiten. Aufgrund der Sabbatzeit, die ich noch nehmen wollte, bot sich eine Mitarbeit erst ab Januar 2021 an, nicht wie eigentlich von den Kollegen bei Wycliff anvisiert, bereits im September 2020. Trotzdem stand nach einigen Gesprächen mit Leitung und Vorstand von Wycliff fest, dass ich ab Januar 2021 in die Personalabteilung einsteigen würde, mit der Chance, vorher noch eine Sabbatzeit zu machen – allerdings letztendlich nicht wie geplant in Israel. Meinen unterschriebenen Vertrag warf ich am Freitag vor dem Lockdown im März 2020 in den Briefkasten. Hätte jemand damals geahnt, wie die kommenden Jahre von einem Virus dominiert sein würden? Ein Stückweit sehe ich darin aber auch Gottes akkurate Zeitplanung, denn durch die Schulschließung hatte ich Zeit, Vieles zu ordnen vor meinem Abschied an der Schule.

Und jetzt bin ich schon seit August 2021 bei Wycliff als Personalleiterin tätig. Auch diese Arbeit macht mir Freude und fordert mich heraus. Wie überall gibt es Schweres und Schönes. Aber ich bin dankbar, dass Gott mich wieder einmal punktgenau geführt hat. Er hat mich bewusst für diese Zeit in diese Aufgabe gestellt, auch wenn ich im ersten Moment gar nicht so recht verstand, was sich dahinter verbergen könnte.

(c) Katharina Kopp

5 Kommentare zu „Bist du bereit?

  1. wow, das ist stark. Das Gebet „hier bin ich, sende mich“ sagt sich leicht, aber tatsächlich alles hinter sich zu lassen, inkl Umzug und ganz neuen beruflichen Herausforderungen — stark.
    Gesegnet sollst du sein!
    (auch, weil du es veröffentlicht hast)

    Gefällt 1 Person

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