Ein Engel?

Meine erste große Reise alleine über den großen Teich begann abenteuerlich. Das Ziel war, in Tonga, einer kleinen Südseeinsel Missionarskinder zu unterrichten.

Eine Zwischenstation musste ich machen, da es keinen direkten Flug gab. Hawaii klang sehr viel angenehmer als Los Angeles, eine Großstadt, in der man sich gut verirren kann. Bekannte meiner Freunde sollten mich dort abholen, damit ich zwei Tage auf der Station von Jugend mit einer Mission (JMEM) bleiben konnte, bevor mein Flug nach Tonga ging. Geplante Ankunft des Fluges war 1.30 nachts. Der Flieger hatte zwei Stunden Verspätung und so fand ich mich am 17. Januar 1999 vor dem Flughafen in Oahu, darauf wartend, dass mich jemand abholt.

Irgendwann hatte auch das letzte Taxi und der letzte Bus die Gäste in ihre Hotels gebracht, während ich alleine mit meinem Gepäck auf einem Mäuerchen außerhalb des Flughafens saß. Da kam wohl auch niemand mehr. So machte ich mich auf die Suche nach dem kleinen Flughafenhotel, von dem man mir erzählt hatte. Es dauerte etwas, aber ich fand es und checkte bis 8 Uhr morgens dort ein. Dieser Tag war ein Sonntag. Nach dem Frühstück versuchte ich, die Leute von JMEM oder YWAM zu erreichen. Aber unter der Büronummer, die ich hatte, war niemand zu erreichen, klar, war ja auch ein Sonntag! Facebook und Whatsapp waren damals noch nicht erfunden, was also tun?

Da es mir zu dumm war, alle die vielen Menschen anzusprechen, schrieb ich ein Schild ‚YWAM“ und setzte mich wieder auf das mir nun gut vertraute Mäuerchen. Nach einiger Zeit kam eine Frau vorbei – oder war es ein Engel? Sie meinte, sie könne mich vielleicht mitnehmen und wisse, wo die Station/Base von YWAM (JMEM) ist. Aber sie hatte dann doch keinen Platz für mein Gepäck in ihrem Auto. So schrieb sie mir einen Zettel, auf dem sie genau die Wegbeschreibung zum Zentrum von YWAM aufschrieb und drückte mir 30 $ in die Hand fürs Taxi. Mehr solle ich nicht bezahlen. Ich war sprachlos. Dem Taxifahrer konnte ich auf diese Weise genau erklären, wie er fahren musste, er fragte ein paarmal nach und schien erstaunt, wie klar ich ihm den Weg erklären konnte, obwohl ich noch nie dagewesen war. Ohne die Wegbeschreibung hätte das wohl kaum geklappt. Angekommen bei YWAM Honolulu stellte sich heraus, dass die Email mit meiner Ankunft nur teilweise angekommen war und ich gar nicht erwartet worden war. Trotzdem erhielt ich ein Bett und wurde willkommen geheißen. Damals wurden Emails im Südpazifik über die Telefonleitung per Modem verschickt und das war nicht immer zuverlässig, wie ich gelegentlich erleben durfte. Aber Gott war zuverlässig, wie immer. Er wusste genau, wo ich war und wie ich an meinen Bestimmungsort kommen konnte. In Tonga wurde ich von meinen Freunden erwartet und erlebte dort weitere Abenteuer.

(c) Katharina Kopp

3 Kommentare zu „Ein Engel?

  1. Liebe Katharina,

    ich habe lange nichts mehr von dir gehört bzw. gelesen und hoffe, es geht dir gut!

    Bei solchen Geschichten wie dieser kann ich einfach nur über Gott staunen!

    Viele Grüße aus dem Ländle

    Henni

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