Weihnachten in der Fremde

Das Jahr 1999 verbrachte ich in Tonga. Eigentlich hatte ich geplant, im Dezember wieder in Deutschland zu sein. Aber da ich entschieden hatte, von Oktober bis März eine Jüngerschaftsschule (DTS) von JMEM zu besuchen, würde ich den Wechsel ins neue Millennium an der Datumsgrenze erleben. Dies bedeutete auch, dass dieses Weihnachten das erste in meinem Leben sein würde, das ich nicht mit meiner Familie in Deutschland verbringen sollte.

Nur zwei Tage vor dem 24. fuhr ich als einzige Deutsche mit einem Team von 9 Tonganern und einem Kanadier nach Eua, einer kleine Insel in Tonga. Zum ersten Mal war niemand in meiner Nähe, mit dem ich Deutsch, meine Muttersprache, sprechen konnte. Meistens sprachen die Tonganer einfach Tonganisch, was ich nicht verstehen konnte und was dazu führte, dass ich mich oft ausgeschlossen fühlte – und es machte mich wütend, weil ich es ziemlich rücksichtslos fand.

Am Weihnachtsmorgen waren wir noch in der Nähe einer Telefonzelle und ich konnte für viel Geld 10 Minuten mit meiner Familie reden. Aber das war viel zu kurz und machte die Situation eher schwieriger. Und dann geschah etwas, das mir sonst eher fremd ist: ich bekam Heimweh und fühlte mich sehr einsam. Ich war hier in einer eher einfachen Behausung, gekocht wurde hinter dem Haus in einem einfachen Häuschen, Toiletten und kalte Dusche befand sich in einem anderen Häuschen und keiner verstand meine Sprache. Die anderen waren gerade unterwegs und ich war ausnahmsweise mal alleine. Als ich so vor Gott mein Herz ausschüttete, wurde mir beim Nachsinnen mit der Zeit klar, dass die Situation, in der sich Jesus an Weihnachten befand noch um ein Vielfaches schwieriger gewesen sein musste. Er war zum ersten Mal von seinem himmlischen Vater getrennt. Stattdessen fand er sich in einer einfachen Krippe einer lausigen Unterkunft wieder – er, der vorher nur Glanz und Gloria in Gottes Herrlichkeit des Himmels sein Zuhause nannte. Was muss das für ein Schock für ihn gewesen sein? Als ich mir das bewusst machte, verstand ich etwas besser, was Weihnachten wirklich bedeutet. Jesus kam in einem armseligen Umfeld zur Welt und ich durfte ein Stückweit nachempfinden, wie sich das anfühlt. So fühlte ich mich plötzlich ganz tief verstanden. Ich war mit meinen Gefühlen nicht mehr alleine, sondern teilte sie mit Jesus. In jenem Jahr bin ich dem Sinn von Weihnachten ein bisschen mehr auf die Spur gekommen.

Weihnachten 1999 mit drei Tonganerinnen vor unserem „Weihnachtsbaum“

Später machten wir bei warmem Wetter draußen ein leckeres Barbeque und schmückten einen Baum mit Papierblumen. Es wurde doch noch nett, wenn auch ganz anders als ich es gewohnt war. Doch Gott hatte mir eine persönliche Botschaft geschenkt: Jesus hatte mir erlaubt, ein Stückweit nachzuempfinden, wie es ihm damals gegangen sein mochte. Er war in einer ähnlichen Situation gewesen und konnte deshalb verstehen und mitfühlen, wie es mir ging.

Hebräer 4,15: Denn wir haben nicht einen Hohenpriester, der nicht mit unseren Schwächen mitfühlen kann, sondern einen, der in jeder Hinsicht versucht worden ist wie wir, aber ohne Sünde.

Ich wünsche dir, dass du in jeder noch so armseligen Situation den Glanz und die Nähe unseres Herrn Jesus spüren darfst – ob an Weihnachten oder während des Jahres!

(c) Katharina Kopp

7 Kommentare zu „Weihnachten in der Fremde

  1. Lydia ist mir zuvor gekommen…
    Ich wollte auf
    „wenn auch ganz anders als ich es gewohnt war.“
    Bezug nehmen — es ist ja immer, überall anders als man es gewohnt ist, zT sogar schon im Nachbarhaus.

    Leider habe ich nicht so einen charmant-fremd aussehenden Abschiedsgruß zu bieten (ja, Lydia, manchmal kommen mir schon die Schweizer exotisch vor 😄😄), daher verbleibe ich —
    mit grünen Grüßen
    Julia 🌷💙🙃

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