Überlebt (2)

„Was für ein doofer Tag!“, so dachte ich genervt. Mal wieder war ein Plan gescheitert. Morgens hatte ich zum Busbahnhof gehen wollen, um einen Bus auf die andere Seite der Insel zu nehmen und dort Freunde zu besuchen. Ich lebte damals in Samoa, einer Südseeinsel und wollte die seltene Gelegenheit, am Meer zu sein ausnutzen. Aber die Freunde riefen an, sie kämen mit dem Auto in die Stadt und würden mich dann auf dem Rückweg mitnehmen.

So wartete ich, bis sie mit ihren Erledigungen fertig wären. Stunde um Stunde verstrich und kein Auto war in Sicht. Diese Erfahrung machte ich damals sehr oft und meist konnte ich damit gut umgehen. Aber an diesem Samstag war ich ungeduldig. So viel Zeit blieb nicht mehr vor Sonnenuntergang und ich hatte den Tag dort verbringen wollen. Schließlich hörte ich das Auto heranfahren. Es war bereits Nachmittag: 4 Uhr! Schnell war das Gepäck verstaut und wir fuhren los. Na endlich!!

Meine Freunde redeten aufgeregt von einem Unfall, der sich wohl ereignet hatte. So fragte ich nach, worum es ginge. Da schauten sie mich erschreckt an: „der Bus mit dem du gefahren wärst… und du wärst ganz vorne gesessen.“

Jetzt war es an mir, zu erschrecken und ich schämte mich für meine Ungeduld. Was war passiert? Auf der engen Straße über das Landesinnere, eine Art Passstraße hatte ein Bus einen anderen überholt als ein weiterer Bus entgegenkam. Da kein Ausweichen möglich war, kam es zu einem Frontalzusammenstoß.

Während unserer Fahrt kamen wir dann auch an der Unfallstelle vorbei. Da sahen wir das Ausmaß des Unfalls: der Bus, in dem ich an vorderster Stelle gesessen hätte, war vollkommen ausgebrannt. Überlebt hätte ich das wohl nicht.

Einmal mehr wurde mein Leben erhalten. Gott sei Dank!

(c) Katharina Kopp

3 Kommentare zu „Überlebt (2)

  1. Was ähnliches hab ich auch erlebt, damals, als ich mein soziales Jahr in Hamburg machte und öfters mal mit dem ICE Richtung Heimat oder zurück nach HH fuhr – aber nicht in dem ICE saß, der den schrecklichen Unfall gehabt hat. DEN ICE-Unfall. Jeder, der damals tv guckte oder Zeitung las, hat noch den wie ein Zollstock gefalteten Zug vor Augen.
    Ich war nicht drin.

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  2. Unglaublich! Welch eine Bewahrung!

    Wir würden uns vielleicht manchmal wundern, wenn wir wüssten, wie oft Gott uns bewahrt hat, während wir uns über die Unannehmlichkeiten geärgert haben.

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