Falscher Zug!

17:02 Der Zug in Frankfurt fährt an – viel zu früh. Doch das fällt mir erst auf, als die Türe verriegelt ist. Ich höre die Lautsprecheransage: „Willkommen im Zug nach Nidda.“ Doch da wollte ich gar nicht hin. Bevor ich meinen Fehler korrigieren und aussteigen kann, fährt der Zug an. Zu spät, den Kurs zu korrigieren.

Extra hatte ich einen früheren Regionalzug genommen, um meinen ICE von Stuttgart nach Frankfurt zu bekommen – das war immerhin von Erfolg gekrönt gewesen. Da mein nächster Zug zur Weiterfahrt bereit zu stehen scheint, steige ich gleich ein und wundere mich nur kurz darüber, dass er bereits so gut besetzt ist. Denn an der Anzeigetafel stand meiner bereits deutlich als nächster Zug. Ich bin froh, einen Sitzplatz zu bekommen.

Aber zu früh gefreut: denn jetzt sitze ich im falschen Zug. Der Puls steigt, der Krisenmodus setzt ein. Bahn App wird befragt… irgendwann naht Bad Vilbel und ich entscheide mich fürs Aussteigen. Die nächste theoretisch mögliche Verbindung zu meinem Zielort entfällt. Also zurück zum letzten Punkt, wo ich noch auf dem richtigen Weg war, in der Hoffnung auf eine erfolgreiche Heimfahrt.

Solche Fehler führen zu einer Verzögerung des Plans. Pleiten bringen zum Nachdenken. Wo geht es wann wie weiter? Geht es weiter?

So ist das auch manchmal im Leben: Verwirrung. Falsch eingestiegen, die Verbindung nicht möglich, der Weg blockiert – und dann? Wann war der letzte Punkt, wo noch alles im Lot war? Ist eine Rückkehr dorthin möglich? Oder ist es womöglich Zeit für eine Neuausrichtung, Zeit für Entschleunigung, Innehalten und Plan prüfen?

Jetzt sitze ich wieder in Frankfurt West und warte auf einen Zug, der nicht kommt – immerhin in der noch wärmenden Abendsonne. „Wir bitten um Entschuldigung“, das ist alles, was ich verstehe, denn gerade fährt ein Zug durch – leider nicht meiner. Mein nächster Zug soll eine halbe Stunde später kommen, aber auch der fällt aus.

Noch ist es warm

Nach insgesamt einer Stunde Wartezeit in Frankfurt West kommt dann eine völlig überfüllte RB nach Dillenburg, wo ich hin möchte.

Langsam bin ich müde und nehme mir vor, bei der nächsten Fahrt genauer hinzuschauen, ob ich im richtigen Zug sitze.

Mit der RB fahre ich also weiter. Irgendwann wird es immer kälter, die Sonne verschwindet. Ich sitze in einem eiskalten Zug – heißt der so, weil es hier zieht? Aber meine Odyssee ist auch abgesehen von der Kälte noch nicht zu Ende: um 20 Uhr erreicht der Zug endlich Gießen. Hier wird er geteilt und ich warte auf die Weiterfahrt. Doch stattdessen kommt eine weitere Durchsage: es gibt keinen Lokführer. Die nächste Möglichkeit zur Weiterfahrt findet sich auf Gleis 9. Wo sind all die kleinen oder großen Jungs, die Lokführer werden wollten?? Immerhin fährt auch dieser Zug bis Dillenburg – und hier funktioniert sogar die Wärmeregulation.

Der ersehnte Ankunftsbahnhof

Kaum glaube ich es: Dillenburg naht. Dort wartet mein Auto auf mich und bringt mich unversehrt nach Hause. Nur wenig über zwei Stunden später als geplant komme ich tatsächlich an. Was wäre das Leben langweilig ohne die Deutsche Bahn!!

(c) Katharina Kopp

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